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NIS2, AI-Governance und digitale Resilienz: Warum Finance eine größere Rolle spielt

Gustaf Tanate
Gustaf Tanate ISPnext
Gustaf Tanate, CEO von ISPnext
Auf einen Blick

Neue europäische Vorschriften wie NIS2 und die KI-Verordnung rücken digitale Resilienz auf der Agenda von Unternehmensleitungen nach oben. Die Diskussion verschiebt sich damit von der Technologie hin zu einer grundlegenderen Frage: Wie viel Kontrolle wollen Unternehmen über ihre eigene digitale Zukunft behalten?

Was ändert sich?

Unternehmen setzen sich kritischer mit ihrem digitalen Fundament auseinander: Cybersicherheit, Datennutzung, Transparenz und Abhängigkeit von Anbietern.

Warum Finance?

CFOs blicken über den finanziellen Business Case hinaus und bewerten auch Risiken, Kontinuität und langfristigen Wert digitaler Investitionen.

Die wichtigste Erkenntnis

Machen Sie digitale Resilienz, Compliance und Risikomanagement zu wichtigen Kriterien bei zukünftigen Investitionsentscheidungen.

Da digitale Resilienz auf der Agenda von Unternehmensleitungen immer weiter nach oben rückt, verändern sich auch die Anforderungen, die Unternehmen an ihr digitales Fundament stellen. Auffällig ist dabei, dass sich die Diskussion von der Technologie hin zu einer grundlegenderen Frage verschiebt: Wie viel Kontrolle wollen Unternehmen eigentlich über ihre eigene digitale Zukunft behalten?

Jahrelang ging es bei der Digitalisierung vor allem darum, Prozesse zu verbessern. Unternehmen suchten nach Möglichkeiten, schneller zu arbeiten, Fehler zu reduzieren und mehr Einblick in ihre Daten zu gewinnen. Technologie wurde nach Funktionalität, Benutzerfreundlichkeit und Rentabilität bewertet.

Diese Faktoren sind nach wie vor wichtig, erzählen aber nicht die ganze Geschichte.

Neue europäische Vorschriften wie die NIS2-Richtlinie und die KI-Verordnung unterstreichen eine breitere Entwicklung: Unternehmen setzen sich kritischer mit ihrem digitalen Fundament auseinander. Fragen zu Cybersicherheit, Datennutzung, Transparenz und Abhängigkeit von Anbietern werden immer häufiger gestellt. Zu Recht, denn immer mehr Geschäftsprozesse sind von Technologien abhängig, die außerhalb des eigenen Unternehmens entwickelt, bereitgestellt und verwaltet werden.

Autonomie

Mehr Aufmerksamkeit für digitale Autonomie

Darüber hinaus beschäftigen sich europäische Unternehmen zunehmend mit digitaler Autonomie. Die Frage ist nicht nur, ob eine Lösung die funktionalen Anforderungen erfüllt, sondern auch, ob und wie sie europäischen Gesetzen und Vorschriften, Governance-Prinzipien und den Erwartungen an einen verantwortungsvollen Einsatz von KI entspricht. Dadurch werden Herkunft, Transparenz und Steuerbarkeit von Technologie wichtiger denn je.

Was mir in Gesprächen mit Führungskräften und Finance Professionals auffällt, ist, dass digitale Abhängigkeit noch häufig als technisches und funktionales Thema betrachtet wird. Dabei reichen die Auswirkungen viel weiter. Eine Störung bei einem Anbieter, Unklarheiten beim Datenzugriff oder veränderte gesetzliche Vorgaben können direkte Folgen für Risikomanagement und Geschäftskontinuität haben.

Die Rolle des CFO

Der CFO blickt über Finance hinaus

Hier sehe ich eine interessante Verschiebung. CFOs betrachten nicht mehr ausschließlich den finanziellen Business Case einer Investition. Zunehmend werden auch Fragen zu digitaler Resilienz, Governance und Compliance gestellt, um strategische Risiken zu minimieren.

Das ist eine positive Entwicklung. Im Gespräch geht es nicht mehr nur darum, was Technologie leisten kann, sondern auch um Fragen wie: Welche Abhängigkeiten schaffen wir? Welche Risiken akzeptieren wir? Und wie behalten wir die Kontrolle über unsere Prozesse, Daten und Entscheidungen?

Je weiter Unternehmen digitalisieren, desto mehr wird diese Kontrolle zu einer Kernaufgabe. Nicht nur für die IT, sondern für das gesamte Unternehmen.

Aus Finance-Sicht entsteht dadurch eine wertvolle neue Perspektive. CFOs müssen über die ursprüngliche Investition hinausblicken. Sie bewerten Risiken, Kontinuität und langfristigen Wert. Das erfordert, dass sie eine aktive Rolle bei Entscheidungen rund um digitale Resilienz übernehmen.

Investitionen

Digitale Resilienz als Investitionskriterium

Mein Rat an Controller ist daher einfach: Machen Sie digitale Resilienz, Compliance und Risikomanagement bei zukünftigen Investitionsentscheidungen zu wichtigen Erfolgskriterien. Preis, Funktionalität und erwartete Erträge sind Grundvoraussetzungen, doch digitale Governance ist eine Absicherung für die Zukunft.

Stellen Sie sich folgende Fragen:

Wo befinden sich die Daten?

Wie transparent ist ein Anbieter?

Welche Compliance-Anforderungen gelten?

Welche Abhängigkeiten entstehen langfristig?

Digitalisierung ist längst nicht mehr nur ein operatives Thema, sondern auch entscheidend für die Kontinuität und digitale Resilienz jedes Unternehmens. Nicht, weil Vorschriften dies vorgeben, sondern weil die Kontrolle darüber einen immer größeren strategischen Wert darstellt.

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf Niederländisch bei CMweb.

Über den Autor

Gustaf Tanate

Gustaf Tanate ist CEO von ISPnext. Mit seiner Erfahrung in den Bereichen Technologie, Cloud-Lösungen und digitale Transformation verfolgt er Entwicklungen an der Schnittstelle von Finance, Governance und Innovation. In seinen Kolumnen teilt er praktische Einblicke in die Rolle von Technologie bei strategischen Entscheidungen.

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