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Digitale Resilienz beginnt beim Einkauf

Geschrieben von Gustaf Tanate | 06.11.2026, 14:00:00
Auf einen Blick

Nahezu jede Führungskraft bezeichnet digitale Resilienz als strategische Priorität. Doch bei der Softwareauswahl setzen sich Preis, Funktionalität und Implementierungsgeschwindigkeit noch auffallend oft gegen diesen Anspruch durch.

Das Problem

In der Auswahlmatrix bleibt von digitaler Resilienz oft nicht mehr übrig als ein Häkchen.

Warum Finance?

Der CFO sichert den gesamten Unternehmenswert, und Technologie ist zunehmend der Schlüssel zum Tresor.

Die Empfehlung

Ergänzen Sie 5 Fragen zu Daten, Zugriff, Kontinuität, Abhängigkeit und Ausstiegsmöglichkeiten, und verlangen Sie nachweisbare Belege.

Nahezu jede Führungskraft betrachtet digitale Resilienz als strategische Priorität. Cyberrisiken stehen auf der Agenda, Organisationen bereiten sich auf NIS2 vor und auch KI-Governance erhält mehr Aufmerksamkeit. Doch bei der Auswahl von Software setzen sich Funktionalität, Implementierungsgeschwindigkeit und Preis auffallend oft gegen diesen Anspruch durch.

Dieses Muster erkenne ich in vielen Organisationen. In Gesprächen auf Vorstandsebene steht digitale Resilienz weit oben auf der Agenda, doch in der endgültigen Auswahlmatrix bleibt davon oft nicht mehr übrig als ein Häkchen.

Das ist verständlich: Kosten und Funktionalität lassen sich direkt vergleichen, während digitale Abhängigkeiten schwerer in Euro auszudrücken sind. Doch gerade diese Abhängigkeiten können die Kontinuität und den Wert einer Organisation beeinträchtigen.

Die Rolle von Finance

Schauen Sie über den Anschaffungspreis hinaus

Hier trägt Finance eine umfassendere Verantwortung. Der CFO wacht nicht nur über die Finanzen, sondern auch über den gesamten Unternehmenswert. Technologie verschafft Zugang zu Prozessen, Daten und Entscheidungen. Damit wird Technologie immer häufiger zum Schlüssel zum Tresor.

Wer diesen Wert schützen will, muss daher über Anschaffungspreis und erwarteten Ertrag hinausschauen. Wo liegen unsere Daten? Wer hat Zugriff darauf? Wie ist die Kontinuität gesichert? Wie abhängig werden wir von diesem Anbieter? Und können wir unsere Daten und Prozesse kontrolliert übertragen, wenn die Zusammenarbeit endet?

Sich auf eine Zusage zu verlassen, reicht dabei nicht aus. Fragen Sie Anbieter, wie sie ihre Resilienz nachweisen. Werden Sicherheit, Back-ups und Wiederherstellungsverfahren unabhängig getestet? Sind die Verantwortlichkeiten für Subunternehmer klar geregelt? Und gibt es einen praktikablen Exit-Plan?

Dies ist kein Plädoyer dafür, automatisch einen europäischen Anbieter zu wählen. Ein europäischer Hauptsitz ist keine Garantie für Sicherheit. Europäische Anbieter agieren jedoch innerhalb europäischer Rechts- und Aufsichtsstrukturen. Bei Anbietern außerhalb der EU können zudem andere Rechtssysteme und internationale Datenflüsse eine Rolle spielen. Auch das gehört in die Abwägung.

Softwareauswahl

Vom Häkchen zum vollwertigen Kriterium

Mein Rat für die nächste Softwareauswahl ist einfach: Ergänzen Sie Preis, Funktionalität und Implementierungszeit um 5 Fragen zu Daten, Zugriff, Kontinuität, Abhängigkeit und Ausstiegsmöglichkeiten. Verlangen Sie anschließend nachweisbare Belege, nicht nur eine bestätigende Antwort.

Nicht jedes Risiko muss ausschlaggebend sein. Aber ein Risiko, das nicht sichtbar gemacht wird, kann auch nicht bewusst akzeptiert werden.

Wer digitale Resilienz als strategisch bezeichnet, muss sie deshalb in den Auswahlkriterien, im Business Case und im Vertrag sichtbar machen. Erst dann kaufen wir tatsächlich nach dem ein, was wir für wichtig erklären.

Lesen Sie auch: NIS2, AI-Governance und digitale Resilienz: Warum Finance eine größere Rolle spielt

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf Niederländisch bei CMweb.

Über den Autor

Gustaf Tanate

Gustaf Tanate ist CEO von ISPnext. Mit seiner Erfahrung in den Bereichen Technologie, Cloud-Lösungen und digitale Transformation verfolgt er Entwicklungen an der Schnittstelle von Finance, Governance und Innovation. In seinen Kolumnen teilt er praktische Einblicke in die Rolle von Technologie bei strategischen Entscheidungen.

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